1


Fortbildung: Schutzsuchende Kinder, Jugendliche und Familien professionell begleiten

Entwicklungspsychologische und gesundheitsrelevante Bedürfnisse geflüchteter Minderjähriger und Familien in der Schweiz: Aktuelles Fachwissen und Handlungsmöglichkeiten aus einer ökologisch-integrativen Perspektive

Fachpersonen, die mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten, stehen häufig vor komplexen Herausforderungen: Die kindlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse sowie der Kinderschutz geraten im Berufsalltag angesichts unübersichtlicher rechtlicher und familiärer Herausforderungen, schwerer Traumatisierungen und hohen Integrationsanforderungen oft in den Hintergrund.

Die Fortbildung vermittelt fundiertes Fachwissen und praxisnahe Handlungsmöglichkeiten, um geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien entwicklungsorientiert und interdisziplinär zu begleiten.

Ausgangspunkt bilden die Erfahrungen aus den «aacho»-Angeboten des Vereins family-help sowie aktuelle Erkenntnisse aus Entwicklungs-psychologie, Traumaforschung, Neurowissenschaften, Sozialer Arbeit sowie dem Asyl-, Kinder- und Familienrecht. Der Blick auf vielfältige Ansätze und evidenzbasierte, langjährig erprobte Methoden wird erweitert (bspw. psychodynamische und systemische Ansätze, traumatherapeutische und -pädagogische Methoden, körper-, spiel-, ausdrucks- und hypno-therapeutische Techniken).

Die Inhalte werden in Gruppen in praktischen Übungen erfahrbar gemacht und eingeübt. Videobeispiele, Fallbesprechungen und Selbsterfahrungssequenzen wechseln sich ab. Fragen aus dem Praxisalltag der Teilnehmenden werden anhand konkreter Fallarbeit supervidiert.

 

Aufbau

  • Die Fortbildung ist modular aufgebaut und besteht aus:
  • Einführungskurs (1 Tag, 8 Lektionen à 45 Min)
  • Zwei Kurstage nach Wahl (Auswahl aus Kurs 1-4, jeweils 1 Tag, 8 Lektionen à 45 Min)
  • Supervision (4 Lektionen à 45 Min)

 

Daten

EinführungskursGrundlagen einer entwicklungsorientierten Begleitung06.11.2026
Kurs 1                   

Entwicklung, Bindung und Beziehungskontinuität

  • Bindung und Affektregulation
  • Sozioemotionale Entwicklungsstufen
  • Entwicklungsdiagnostik (u. a. Cascade-Ansatz und holistische Altersbegutachtung)
  • Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences)
  • Entwicklungsverläufe nach Fluchterfahrungen
  •  Beziehungskontinuität, Transfers und Altersaufstufungen
15.01.2027
Kurs 2

Trauma und Entwicklung

  • Integratives traumatherapeutisches und -pädagogisches Handeln
  • Transgenerationale Weitergabe von Trauma
  • (Trauma-)Therapeutische Zugänge bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung
  • Entwicklungstraumastörung, Entwicklungslöcher und Domänen
  • Befundaufnahme, Diagnostik und Berichterstattung
19.03.2027
Kurs 3

Rechtliche und ethische Perspektiven

  • Grundlagen des Asyl- und Ausländerrechts sowie der Kinderrechte in der Schweiz
  • Europäische und Schweizer Praxis bei unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (MNA)
  • Fokus: Kinder in der Nothilfe und Sans-Papiers
  • Ethische Fragestellungen im interdisziplinären Berufsalltag
28.05.2027
Kurs 4

Integration und transdisziplinäres Handeln

  • Psychohygiene und Selbstfürsorge
  • Rollenverständnis und Selbstwirksamkeit von Fachpersonen
  • Handlungsermächtigung: Perspektivenübernahme, Fingerspitzengefühl und Bedürfnisorientierung
  • Transdisziplinarität: pädagogische, sozialarbeiterische und psychotherapeutische Prozesse
  • Methodenvielfalt und Umsetzung in der Praxis
  • Fokus: Gruppentherapeutische Ansätze
02.07.2027
SupervisionWahl aus zwei Terminen

11.12.2026

16.04.2027

Ziele

Die Teilnehmenden

  • vertiefen ihr Wissen über die entwicklungspsychologischen und gesundheitsrelevanten Bedürfnisse schutzsuchender Kinder, Jugendlicher und Familien.
  • erweitern ihre Handlungsmöglichkeiten in der Begleitung von schutzsuchenden Kindern, Jugendlichen und Familien im Schweizer Kontext.
  • reflektieren ihre professionelle Rolle und wie sie ihre eigenen Gefühle besser verstehen, regulieren und aushalten können.
  • stärken ihre interdisziplinären Kompetenzen.
  • bauen gemeinsam Weitsicht, Standhaftigkeit, konstruktive Zusammenarbeit und Zuversicht aus.

 

Zielgruppe

Die Fortbildung richtet sich an Fachpersonen, die mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen oder Familien arbeiten, insbesondere an: Sozialpädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen, Lehrpersonen, Krippen- und Hortleiter:innen, Körpertherapeut:innen, Institutionsleiter:innen sowie weitere Fachpersonen aus Bildung, Gesundheit und Sozialwesen.

 

Dozierende

  • Sandra Rumpel, Lic. phil.: Eidg. anerkannte Psychotherapeutin ASP/SBAP für Kinder, Jugendliche und Familien, Gründerin Verein family-help und Co-Leitung der «aacho»-Projekte
  • Hannah Ospelt, MSc: Eidg. anerkannte Psychotherapeutin FSP für Kinder, Jugendliche und Familien, Co-Leitung «aacho»-Projekt für weibliche MNAs
  • Antonia Stulz-Koller, Dr. med.: FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Gründerin Verein family-help und Co-Leitung der «aacho»-Projekte

Pro Kurstag sind jeweils zwei der drei Hauptdozentinnen anwesend. Je nach Thema werden weitere Fachpersonen beigezogen, unter anderem aus den Bereichen Kinderrechte (Prof. Dr. iur. Sandra Hotz, Rechtsanwältin mit Spezialgebiet Kinderrechte), Kinderschutz und Körpertherapie.

 

Fachliche Anerkennung

FSP: 25 Credits
ASP: 20 Credits

Die Anerkennung bei der SGKJPP und dem SBAP ist in Arbeit.
Die Anerkennung als Fortbildungsleistung für weitere Berufsgruppen wird zurzeit geprüft.

 

Kosten

CHF 1'050

Die Fortbildung umfasst einen Einführungskurs, zwei Kurstage sowie einen halben Tag Supervision. 

Falls gewünscht, können Sie auch weitere Kurstage oder Supervision dazu buchen. Kosten:

  • Kurs 1-4: je CHF 300
  • Supervision-Halbtag (4 Lektionen): CHF 150 pro Termin

Jeder Kurstag wird einzeln in Rechnung gestellt. Die Rechnung ist spätestens 10 Tage vor Kursbeginn zu begleichen. Bei finanziellen Schwierigkeiten nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf.

Bei einer Abmeldung bis 20 Tage vor Kursbeginn wird eine Bearbeitungsgebühr von CHF 100 erhoben. Danach sind die gesamten Kosten geschuldet, sofern der Platz nicht durch eine Person auf der Warteliste übernommen werden kann.

 

Kursort

Verein family-help | Arterstrasse 24 | 8032 Zürich

Es stehen keine Parkplätze zur Verfügung.

 

Anmeldung 
Online-Formular oder per E-Mail an an fortbildung@family-help.ch

Wichtig: Bitte geben Sie bei der Anmeldung ihre Kursauswahl (Auswahl Kurs 1-4) an.

Die Weiterbildung findet mit mindestens 14 und maximal 22 Teilnehmenden statt. Wird die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht, erfolgt eine Absage spätestens 14 Tage vor Kursbeginn und ein Ersatztermin wird angeboten.